Themen

Rubrik Lehrer und Eltern


Versenden Drucken PDF
Grafik- und Kommunikationsdesigner

Kreativ und kundennah

Ob Werbeplakate oder Buchcover, Zeitschriften oder Produktverpackungen: Wo auch immer es um Design geht, sind Grafiker am Werk. Die Aufgaben der Kreativen sind äußerst vielfältig.

Nora Leetz sitzt am Tisch an einem PC und blickt in die Kamera.

Grafikdesigner wie Nora Leetz brauchen nicht nur eine gute Ausbildung, sondern auch Talent.

Foto: Privat

Nora Leetz setzt gerade den letzten Strich an ihre Zeichnung: So könnte sie sich die Anzeige für das neue Produkt vorstellen. Ob der Vorschlag auch dem Kunden gefällt, wird sich zeigen. Die 30-Jährige arbeitet bei der Kommunikationsagentur Grey in Düsseldorf. „Mir gefällt das Arbeiten in einer großen Agentur, denn die Aufgaben sind vielfältiger als in vielen kleinen Unternehmen", so die gebürtige Berlinerin, die in Wuppertal Kommunikationsdesign studiert hat.

Teamarbeit gefragt

Seit 2005 ist sie bei Grey als Art Director tätig und Teil eines zehnköpfigen Teams. Bei ihren Projekten arbeiten sie und das gesamte Kreationsteam eng mit den Textern und den Kundenberatern des Hauses zusammen. „Zunächst geht es um die Ideenfindung. Bei einer Kampagne überlegen wir zum Beispiel, wie und wo wir die Marke am besten präsentieren können: in Printmedien, im Fernsehen oder an den Verkaufsstandorten", erklärt Nora Leetz. „Danach arbeiten wir die Ideen visuell aus, machen zum Beispiel Skizzen für Werbefilme oder entwerfen Motive, die die Marke repräsentieren sollen. Wenn dem Kunden unsere Vorschläge zusagen, geht es an die Umsetzung." Illustratoren, Fotografen oder Filmleute müssen engagiert werden, die die Ideen der Kreativen realisieren. „Mir gefällt bei dieser Arbeit besonders, dass ich mit beeinflussen kann, wie die Anzeige oder der Film am Ende aussehen sollen", so Nora Leetz begeistert.

Die Designerin ist nur eine von rund 41.400 angestellten Bildenden Künstlern und Grafikern (darunter werden statistisch auch die Grafik- und Kommunikationsdesigner gezählt), die laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit zum 30.6.2008 beschäftigt waren. Das sind 26,2 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit, bestätigt diese Entwicklung: „Insgesamt kann man sagen, dass das Beschäftigungsfeld Grafik- und Kommunikationsdesign in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen ist. So ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Berufsfeld seit dem Jahr 2000 um ein Viertel angestiegen, was unter anderem auf den Boom im Bereich Webdesign zurückzuführen ist." Gleichzeitig ist auch die Zahl der arbeitslosen Kommunikationsdesigner überdurchschnittlich gesunken. „In den vergangenen fünf Jahren wurden der Bundesagentur für Arbeit im Schnitt jährlich etwa 3.300 Stellenangebote für Designer und Layouter gemeldet. Die tatsächliche Nachfrage war aber höher, als die Statistik erscheinen lässt, da der Bundesagentur nur ein Teil der zu besetzenden Stellen gemeldet wird", sagt Ralf Beckmann.

Viele Frauen

Der Frauenanteil unter den Kreativen ist mit 53 Prozent im Vergleich zu vielen anderen Berufen besonders hoch. Und noch etwas zeichnet die Berufsgruppe aus: „Grafik- und Kommunikationsdesign ist eine „junge" Branche: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten sind nicht älter als 34 Jahre", meint Arbeitsmarktexperte Beckmann. Zum Vergleich: Durchschnittlich machen die Unter-35-Jährigen gerade mal ein Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus.

Bildende Künstler und Grafiker

Grafik: KonzeptQuartier

Grafik- und Kommunikationsdesigner sind in vielen unterschiedlichen Branchen beschäftigt. „Mehr als ein Viertel arbeitet in der Werbebranche", weiß Ralf Beckmann. Zu den weiteren Einsatzfeldern gehören das Druckgewerbe, das Verlagswesen, IT-Unternehmen sowie der Handel. Das Aufgabenfeld ist genau so vielfältig: Sie arbeiten im Bereich Print, Film, Funk, Fernsehen und Internet, erstellen neben Firmenlogos, Plakaten und Anzeigen je nach Schwerpunkt beispielsweise auch Flash-Filme, 3D-Animationen und Webseiten, oder sie designen

Zur Großansicht 

Datenbanken. Kenntnisse in den gängigen Computerprogrammen wie QuarkXPress, InDesign oder Photoshop am PC und am Mac sind deshalb unerlässlich.

Festangestellte Grafikdesigner sind allerdings in der Minderheit: „70 Prozent der Grafikdesigner machen sich selbstständig", sagt Robert Glogowski, Leiter des Referats Design beim Bund Deutscher Grafikdesigner (BDG).

Fundierte Ausbildung und Talent

Aber egal, ob angestellt oder selbstständig: „Grafiker brauchen ein hohes ästhetisches Verständnis", ist Steve Mancini, Werbeleiter beim Campus Verlag, überzeugt. „Sie müssen sich mit Form, Farbe, Typografie und vielen anderen Details auskennen. Eine fundierte Ausbildung ist dabei genauso wichtig wie Talent." Darüber hinaus müssten Grafiker kundenorientiert arbeiten, sagt Steve Mancini. „Denn nicht immer gefällt dem Kunden gleich der erste Entwurf. Manchmal braucht man lange, bevor man den Kundengeschmack trifft."

In einem Verlag arbeiten seiner Ansicht nach eher die „Schöngeister" unter den Grafikern - während in Werbeagenturen die Arbeit oft unter hohem Zeitdruck erledigt werden muss. „Im Verlag werden Ideen geprüft und verworfen, erneut geprüft und wieder verworfen. Schließlich bleibt das Erscheinungsbild oft über mehrere Jahre erhalten." Steht das sogenannte Corporate Design, also die grafische Linie des Unternehmens, so ist es wichtig, künftig auf Einheitlichkeit zu achten - gleich ob bei Verlagsvorschauen, Einladungskarten, Pressebriefen, der Webseite oder Flyern für die Autoren. Hier arbeitet der Verlag meist mit freien Grafikern zusammen. Unabhängig davon, ob ein Grafiker frei arbeitet oder fest angestellt ist: „Bis jemand wirklich gut ist, braucht er viel Erfahrung", so Werbeleiter Mancini.

Neben Werbeagenturen und Verlagen beschäftigt aber beispielsweise auch der Einzelhandel die Kreativen. „Ein Grafiker in unserem Unternehmen ist nicht weniger kreativ als ein Designer in einer Werbeagentur", betont Sabine Fischer, Werbeleiterin bei Kaiser's Tengelmann. In der Grafikabteilung des Einzelhändlers arbeiten acht Grafiker, die von Anzeigen und Plakaten über Displays und Deckenhänger bis hin zu Regalfähnchen alles gestalten, was die rund 700 Verkaufsfilialen in Deutschland benötigen. Darüber hinaus arbeiten sie auch für die Unternehmenszentrale, zum Beispiel an Broschüren für die Personalabteilung.

Mehr zu diesem Thema:

abi >> interaktiv

Personalerstatements

Interview mit Robert Glogowski, Leiter des Referats Design beim Bund Deutscher Grafikdesigner

Mehr Infos


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:


  Erweiterte Suche

News RSS-Feeds abonnieren (Öffnet sich in neuem Fenster)

Akademikermangel bis 2024

Bessere Integration durch MINT

Events

Formula Student Germany 2010

It's Your Energy

Veranstaltungsübersicht

Links & Infos