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Agrar-, Landschafts- und Forstingenieure

Zwischen Büro und freier Natur

Der Bedarf an Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Energie wächst. Um hier neue Strategien und Konzepte zu entwickeln, sind Ingenieure im Agrar-, Landschafts- und Forstbereich gefragt.

Auf dem Foto ist ein Feld mit keimenden Pflanzen abgebildet.

Agrarwissenschaftsabsolventen können landwirtschaftliche Betriebe leiten, in Behörden verwaltende Aufgaben wahrnehmen oder ihre Kenntnisse in einem Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie einsetzen.

Foto: WillmyCC

Es gibt immer weniger traditionell wirtschaftende Bauernhöfe, gleichzeitig hat aber die landwirtschaftliche Produktion insgesamt zugenommen und ganze Industriezweige geschaffen. Das eröffnet neue Beschäftigungsmöglichkeiten, beispielsweise an der Schnittstelle zwischen Ökologie und Ökonomie. Diese Chance hat Dominik Reeb (30) ergriffen. Er arbeitet bei einem privaten Dienstleistungsunternehmen, der Hanse Agro Beratung & Entwicklung GmbH in Gettorf, und berät Landwirte in Sachen Pflanzenbau und Betriebswirtschaft. Vor allem im Frühjahr und im Herbst, also in der Hochsaison der Pflanzenproduktion, ist sein Fachwissen gefragt. „Dabei geht es zum Beispiel um Fragen zur Aussaat, Bodenbearbeitung, Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen“, erklärt der Agraringenieur. „Die Entwicklung schreitet ständig voran, es kommen laufend neue Produkte auf den Markt. Damit ergeben sich auch neue Anforderungen und Rechtsgrundlagen.“ Viele Betriebe nutzten daher die ergänzende Beratung.

Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten

Für Agrarwissenschaftsabsolventen wie Dominik Reeb gibt es eine Vielzahl von Einsatzfeldern. Sie können landwirtschaftliche Betriebe leiten, in Behörden verwaltende Aufgaben wahrnehmen oder ihre Kenntnisse in einem Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie einsetzen. Durch den steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Energie werden aber auch umweltverträgliche und wirtschaftliche Produktionsverfahren immer wichtiger. Also Antworten etwa auf die Frage, wie man möglichst viel produzieren kann, ohne der Umwelt zu schaden. Das ist auch ein Aufgabenfeld von Dominik Reeb: „Damit die Betriebe beim Anbau den größtmöglichen Profit erzielen können, entwickeln wir verschiedene

Das Foto ist ein Portraitbild von Dominik Reeb.

Dominik Reeb

Foto: Privat

Strategien“, erklärt er. Konkret heißt das beispielsweise, beim Anbau von Weizen ein optimales Verhältnis von Ausgaben für Dünge- und Pflanzenschutzmittel für einen guten Ertrag und dem Gewinn durch den Weizenverkauf zu erhalten. Den Umweltschutz muss Dominik Reeb ebenso im Blick haben wie den wirtschaftlichen Ertrag. „Die Zeiten von ‚viel hilft viel’ sind vorbei“, erklärt er den sparsamen Einsatz von Chemie beim Ackerbau.

Strategien entwickeln und planen – das machen aber nicht nur Agraringenieure. An der Schnittstelle von Ingenieurwesen und Natur arbeiten auch Forst- und Holzingenieure sowie Landschaftsarchitekten, Ingenieure für Gartenbau und solche für Weinbau – und sie alle übernehmen ähnliche Aufgaben, schützen die Umwelt, beraten beispielsweise Behörden, Landwirte oder Privatpersonen oder entwickeln bestehende landwirtschaftliche Produkte weiter.

Schwerpunkte setzen

Der Weg in den Beruf führt bei allen über die Hochschule. Dominik Reeb hat an der Universität Gießen studiert: Sechs Semester Bachelor, vier Semester Master, drei Jahre Promotion. „Das Studium der Agrarwissenschaften hat mir gleich zugesagt, weil es ein fächerübergreifendes Arbeiten bietet. Es umfasst Bereiche wie Biologie, Chemie und Betriebswirtschaft, damit stehen mir nun verschiedene Wege offen. Ich könnte zum Beispiel auch als Journalist für landwirtschaftliche Fachmagazine schreiben oder in der Futtermittelindustrie Fuß fassen.“

Absolventen sollten diese fächerübergreifenden Vorzüge von Beginn an nutzen, rät auch Markus Ebel-Waldmann, Präsident des VDL Bundesverband Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e.V.: „Dieses interdisziplinär angelegte Studium bietet die Möglichkeit, sich ein breites Fundament der Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und sozialwirtschaftlichen Fächer anzueignen. Im Berufsleben können dann entsprechende Schwerpunkte gesetzt werden. Agrarökologen beispielsweise arbeiten Hand in Hand mit Wirtschaftsexperten und gehen Fragestellungen zu nachwachsenden Rohstoffen oder Flächennutzungskonzepten nach. So können die Spannungsfelder zwischen Landwirtschaft, Ökonomie und Ökologie aufgelöst werden.“

In der Forstwirtschaft sind die Einsatzmöglichkeiten zwar etwas eingeschränkter, aber auch hier gibt es verschiedene Wege. Forstingenieure finden vor allem im öffentlichen Dienst, aber auch bei Interessenverbänden oder in der forstnahen Industrie Beschäftigung. „Im Zuge hoher Pensionierungswellen sind die langfristigen Tendenzen positiv“, bestätigt Jens Düring vom Bund Deutscher Forstleute (BDF). Wer noch dazu alle Anforderungen erfüllt, hat gute Karten: „Naturwissenschaftliches Verständnis ist ebenso wichtig wie die Neigung zu betriebswirtschaftlichem Denken“, betont der Branchenexperte. „In der Forstwirtschaft geht es schließlich auch darum, den Betrieb oder das Revier auf ökonomisch vorteilhafte Weise zu führen.“

Die Grafik zeigt die Anzahl der Arbeitslosen Akademiker im Agrar-, Landschafts- und Forstbereich von 2005 bis 2009. 2005 waren es ca. 4700, 2006 waren es ca. 3400. 2007 waren es ca. 2700, 2008 waren es ca. 2200 und 2009 waren es ca. 2000.

Arbeitsmarkt für Akademiker im Agrar-, Landschafts- und Forstbereich.

Foto: WillmyCC

Dass die beruflichen Aussichten für Akademiker im Agrar-, Landschafts- und Forstbereich ganz gut sind, beweisen auch die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Während im Jahr 2005 noch rund 4.400 Arbeitslose aus diesem Bereich gemeldet waren, waren es 2009 nur noch 2000. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigt seit 2006 langsam aber kontinuierlich an. Im Jahr 2009 gab es rund 11.700 Akademiker im Bereich der Agrar-, Landschafts- und Forstberufe. Das ist zwar ein vergleichsweise geringer Wert, aber „der Großteil der Experten in diesem Bereich ist selbstständig oder im öffentlichen Dienst tätig. In der Forst- und Jagdverwaltung beispielsweise ist etwa ein Drittel verbeamtet“, erklärt Judith Wüllerich vom Team für Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Diese tauchen in der Beschäftigtenstatistik also gar nicht auf. Alles in allem also gute Chancen für Absolventinnen und Absolventen von Agrar-, Landschafts- und Forststudiengängen, die sich eine Tätigkeit zwischen Schreibtisch und freier Natur vorstellen können.

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