"Die Interdisziplinarität nimmt zu"
abi>> sprach mit Alfred Fuhr, dem Sprecher des Bundesverbands Deutscher Soziologinnen und Soziologen, über die Berufschancen von Sozialwissenschaftlern.
abi>>: Der Anteil jüngerer arbeitsloser Sozialwissenschaftler ist gestiegen. Was erschwert ihnen den Einstieg ins Berufsleben?
Alfred Fuhr: Zweierlei. Zum einen fällt es einem Soziologen schwer, seinen Marktwert einzuschätzen. Das liegt auch daran, dass sein Kompetenzprofil breit gefächert ist und ihn das Studium nicht so zielgerichtet zu einem Beruf führt wie bei Medizinern oder Juristen. Zum anderen gibt es keinen Karrieremarkt für Sozialwissenschaftler. Sie haben die Arbeitgeber noch nicht ausreichend von sich überzeugen können. Ihnen hängt noch das Image der 70er nach: lange Haare, kein Geld, alles hinterfragen und nur Unruhe stiften.
abi>>: Sozialwissenschaftler konkurrieren auf dem Arbeitsmarkt mit Psychologen und Betriebswirten. Was kann ein Soziologe besonders gut?
Alfred Fuhr: Er hat die Fähigkeit, der Gesellschaft den Puls zu fühlen. Er ist in der Lage, Zahlen zu lesen, Daten zu analysieren, empirische Untersuchungen anzustellen und die Erkenntnisse dann in Diagramme zu übersetzen und zu kommunizieren. Er verfügt über wichtige Schlüsselqualifikationen, die immer gefragter sind.
abi>>: Welche inhaltlichen Trends haben Sie in der Ausbildung festgestellt?
Alfred Fuhr: Die Interdisziplinarität nimmt zu. So wie große Unternehmen Soziologen und Ingenieure gemeinsam in der Produktentwicklung arbeiten lassen und der Klimawandel ein Zusammenrücken von Makrosoziologie und Umweltstudien in der Akzeptanzforschung bewirkt hat, so nähern sich auch die Bereiche PR und Soziologie immer mehr an. Ein Feld, das Studienanfänger immer stärker interessiert, sind Medien und Kommunikation.
abi>>: Wie schätzen Sie die Zukunftschancen für Sozialwissenschaftler ein?
Alfred Fuhr: Da bin ich sehr optimistisch. In einer Welt, in der die Komplexität immer mehr zunimmt, werden krisenorientierte Menschen, die Systeme, Mechanismen und Zusammenhänge erklären können, immer gefragter sein.






