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Rubrik Lehrer und Eltern


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Psychologen

Therapieren, beraten, coachen

Nicht alle Psychologen legen ihre Patienten auf die Couch und hören sich ihre Probleme an. Das Arbeitsfeld für Absolventen der Psychologie ist breiter gestreut, als man auf den ersten Blick meint. Berufserfahrung ist allerdings die Voraussetzung für eine Stelle.

Swen Heidenreich neben einem beschriebenem Flip Charts.

Alternative Selbstständigkeit: Mehr als die Hälfte der Psychologen arbeitet dauerthaft auf Honorarbasis.

Foto: Privat

In Schulen, in Unternehmen, in Krankenhäusern - überall, wo Menschen eng zusammenarbeiten, kann es zu Konflikten kommen. Swen Heidenreich sorgt dafür, dass Krisen möglichst gar nicht erst entstehen. Im vergangenen Jahr gründete der Diplom-Psychologe zusammen mit einer Kollegin das Zentrum für Beratung & Therapie (ZBT) in Frankfurt.

Swen Heidenreich studierte Psychologie an der Uni Marburg und in den USA. „Nach meinem Diplomabschluss 2004 war es nicht einfach, eine Stelle zu finden. Ich habe rund 30 bis 40 Bewerbungen geschrieben", erinnert sich der 33-Jährige. Mit Nebenjobs in einem Gesundheitszentrum überbrückte er die Zeit bis zu seiner ersten Festanstellung als Trainer bei einem internationalen Krisenpräventionsunternehmen.

Entspannte Jobsituation

Seit Swen Heidenreichs Studienabschluss hat sich die Jobsituation allerdings etwas entspannt. „Seit 2005 entwickelt sich der Arbeitsmarkt für Psychologen wieder positiv", berichtet Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. „Die Arbeitslosigkeit ging deutlich stärker zurück als bei allen Arbeitslosen insgesamt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg an, und die Bundesagentur für Arbeit registrierte in den letzten vier Jahren mehr Stellenangebote für Psychologen." 2008 gab es über 1.700 offene Stellen für Psychologen sowie 155 Stellenangebote für nichtärztliche Psychotherapeuten. Diese sind aber nicht zu verwechseln mit Psychiatern, die eine medizinische Ausbildung haben. „Da nicht alle Stellen den Arbeitsagenturen gemeldet werden und Arbeitgeber auch auf anderen Wegen suchen, liegt die tatsächliche Nachfrage nach Psychologen noch höher", weiß Ralf Beckmann. Wie sich der Stellenmarkt in der aktuellen Wirtschaftskrise entwickelt, lässt sich bisher allerdings noch nicht absehen.

Die meisten Vakanzen waren in Krankenhäusern und Rehakliniken zu besetzen. Aber auch Universitäten, Einrichtungen der Erwachsenenbildung, die öffentliche Verwaltung, Sozialversicherungsträger, die Rechtspflege sowie Pflegeheime und soziale Betreuungs- und Beratungseinrichtungen suchten im vergangenen Jahr Psychologen. Beschäftigungsmöglichkeiten für die Berufsgruppe gibt es aber auch in der Personalberatung, im Gesundheitsamt, in der Marktforschung, den Personalabteilungen von Unternehmen sowie im schulpsychologischen Dienst der Länder und Kommunen.

Berufserfahrung oder Weiterbildung ist Pflicht

Das heißt aber nicht, dass die jährlich 3.000 bis 3.500 Hochschulabsolventen die freie Jobauswahl haben. Im Gegenteil:  Für viele Stellen wird Berufserfahrung oder eine Weiterbildung verlangt. „Daher besuchen manche Absolventen nach ihrem Abschluss noch Weiterbildungen, um sich besser für den Berufseinstieg zu qualifizieren", erklärt Fredi Lang vom Bundesverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (bdp).

Eine Weiterbildung ist auch Pflicht, wenn man als „Psychologischer Psychotherapeut", also als „nichtärztlicher Psychotherapeut" arbeiten möchte. Diese dauert drei Jahre in Vollzeit und kostet, je nach Anbieter zwischen 15.000 und 40.000 Euro. (Informationen zu Studien- und Ausbildungswegen gibt's im Beitrag „Natur- oder sozialwissenschaftlich?")

Aber nicht nur im klinischen Bereich sind Weiterbildungen oder Berufserfahrung notwendig. „Ohne Berufserfahrung stehen die Chancen auf eine Anstellung schlecht", bestätigt Dr. Karin Brand, Referentin im schulpsychologischen Dienst im Schulamt Erfurt. In Thüringen gibt es elf Schulämter, die jeweils ein bis zwei Psychologen beschäftigen. „Sie sind für die Schulen auf Abruf tätig", meint Karin Brand. Zu ihren Aufgaben gehört es zum Beispiel, Schüler zu ihrer Schullaufbahn zu beraten, bei Krisen in den Schulen zu unterstützen oder Beratungslehrer weiterzubilden.

Wie bei Swen Heidenreich ist für Psychologen aber auch die Selbstständigkeit eine Alternative. „Mehr als die Hälfte der Psychologen arbeitet ohnehin dauerhaft auf Honorarbasis. Der Anteil der Selbstständigen nimmt kontinuierlich zu", sagt Fredi Lang. Psychologen können beispielsweise als Dienstleister für die unterschiedlichsten Zielgruppen tätig werden, zum Beispiel als Coach oder Berater. Swen Heidenreich beschäftigt sich mit Themen wie Zeit- und Stressmanagement oder mit Coaching für Arbeitnehmer und -suchende. „Eigentlich wollte ich ursprünglich gar nichts mit Wirtschaftspsychologie - einem meiner Schwerpunkte im Hauptstudium - zu tun haben. Ich hatte mich immer eher im Gesundheitsbereich gesehen. Aber jetzt profitiere ich schon sehr von meinem Wissen in diesem Bereich", meint der Diplom-Psychologe, der sich als Unternehmer nun auch in wirtschaftlichen Fragen gut auskennen muss.

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